Immer wieder sorgen Meldungen über Mineralölrückstände in Lebensmitteln für Verunsicherung. Wie die FAZ im Februar 2025 berichtete, wurden derartige Rückstände beispielsweise in Vollkornbrot gefunden, aber auch in anderen Produkten wie Bio-Spaghetti oder Schokolade aus Adventskalendern traten sie in der Vergangenheit auf. Doch wie gelangen diese Stoffe überhaupt in unsere Nahrung?
Maschinenöle spielen eine entscheidende Rolle bei der Kontamination. Wie Mandy Elias, Leiterin der Fachgruppe Analytik, Qualität und Produktsicherheit bei der Deutschen Gesellschaft für Fettwissenschaft, gegenüber der FAZ erklärte, können Mineralölrückstände über Maschinenöle entlang der gesamten Verarbeitungskette in Lebensmittel gelangen. Schon bei der Ernte, beispielsweise durch einen geplatzten Hydraulikschlauch an einer Olivenrüttelmaschine, kann es zu Verunreinigungen kommen. Das daraus gepresste Olivenöl wäre in diesem Fall kontaminiert.
Die Problematik der Mineralölrückstände ist vielschichtig. Wie Koni Grob vom Kantonalen Labor Zürich in einem Artikel von 2018 in "Critical Reviews in Food Science and Nutrition" ausführte, wurden im Laufe der Jahre verschiedene Quellen identifiziert und beseitigt oder reduziert, darunter Trennmittel in Bäckereien, das Besprühen von Reis, Zusätze im Tierfutter und die Migration aus Kartonverpackungen. Oft handelte es sich um hochraffinierte („weiße“) Öle, aber auch technische Öle aus der Umwelt oder Ölfraktionen aus Jute- und Sisalsäcken spielten eine Rolle. Grob betont die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen zu den verschiedenen Quellen und der toxikologischen Bewertung der unterschiedlichen Kohlenwasserstofftypen.
Bereits 2009 wiesen Biedermann, Fiselier und Grob im "Journal of Agricultural and Food Chemistry" auf eine Methode zur Bestimmung der Gesamtkonzentration von aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen in Lebensmitteln hin. Sie stellten fest, dass viele Lebensmittel aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe in Konzentrationen von über 1 mg/kg enthielten. Die Mehrheit der in Lebensmitteln nachgewiesenen Mineralöle waren technischer Qualität mit 20-30% aromatischen Kohlenwasserstoffen.
Auch die Migration von Mineralölkohlenwasserstoffen aus recyceltem Karton in trockene Lebensmittel ist ein bekanntes Problem. Lorenzini et al. untersuchten 2015 in "Food Additives & Contaminants: Part A" die Migrationskinetik von Mineralölkohlenwasserstoffen aus recyceltem Karton in Müsli und Eiernudeln. Sie fanden heraus, dass die Lagerbedingungen und die Temperatur einen erheblichen Einfluss auf die Migration haben. Die Migration war am höchsten bei Produkten, die in Transportkartons gelagert wurden, gefolgt von Produkten in Regalen und freistehenden Verpackungen. Die Temperatur hatte ebenfalls einen starken Einfluss: Bei Eiernudeln, die direkt in Karton verpackt waren, wanderten bei 20°C in 8 Monaten etwa 30 mg/kg MOSH in die Lebensmittel, bei 40°C jedoch bereits in nur einer Woche.