Saskia Eskens Weg an die Spitze der SPD war ungewöhnlich. Wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtet, kandidierte sie kurz vor Fristende im August 2019 gemeinsam mit Norbert Walter-Borjans für den Parteivorsitz. Das Duo positionierte sich gegen Olaf Scholz und Klara Geywitz und warf ihnen einen zu wirtschaftsliberalen Kurs vor. Mit Unterstützung der Jusos gelang Esken und Walter-Borjans der Sieg.
Trotz des schlechten Abschneidens der SPD bei der Bundestagswahl, mit einem Absturz auf 16,4 Prozent, bleibt Esken laut SZ ihrer Linie treu. Auch innerparteiliche Kritiker, die sie loswerden wollen, scheinen sie nicht zu beirren. Wie Georg Ismar in der SZ analysiert, hat Esken von Angela Merkel gelernt: Gelassenheit kann sich in der Politik auszahlen. Und gerade Friedrich Merz könnte sie für eine mögliche Koalition noch dringend brauchen.
Eskens Haltung zur Großen Koalition war von Anfang an kritisch. Wie t-online.de in einem Interview von 2019 wiedergibt, forderte sie grundlegende Veränderungen innerhalb der SPD und einen stärkeren Fokus auf linke Politik. Ein Verbleib in der Großen Koalition knüpfte sie an die Bedingung, mehr sozialdemokratische Politik durchsetzen zu können. Sie kritisierte die bisherige Regierungspolitik scharf und skizzierte eine Vision von Staat und Gesellschaft mit deutlich mehr staatlicher Verantwortung.
Diese kritische Haltung gegenüber der Union bestätigte Esken auch später. Wie das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) unter Berufung auf die DPA im Februar 2022 berichtete, lehnte Esken eine Fortsetzung der Großen Koalition nach der Bundestagswahl ab. Sie bezeichnete die Union als "Bremsklotz" und "ideen- und führungslos".
Die Russlandpolitik der SPD, die in den letzten Jahren stark diskutiert wurde, sieht Esken, laut einem Bericht der FAZ vom Februar 2023, als eine Serie parteiübergreifender Fehler. In dem Artikel wird auch Eskens Beziehung zu Olaf Scholz thematisiert, die sich aus einer anfänglichen Konkurrenz um den Parteivorsitz zu einer Freundschaft entwickelt habe.
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