Nachbarschaftshilfe gewinnt in Hessen zunehmend an Bedeutung, insbesondere in der Unterstützung älterer und pflegebedürftiger Menschen. Wie die Zeit am 27. Februar 2025 berichtete, bieten zahlreiche Vereine in Hessen Unterstützung im Alltag an, von der Erledigung von Einkäufen bis hin zur Begleitung bei Arztbesuchen. Ein Beispiel hierfür ist der Verein Nachbarschaftshilfe Oberer Rheingau in Eltville, der mit rund 70 Ehrenamtlichen etwa 400 Senioren betreut. Die Helfer erhalten eine Aufwandsentschädigung von zehn Euro pro Stunde, finanziert durch den „Entlastungsbetrag“ der Pflegeversicherung in Höhe von 131 Euro monatlich, der für Unterstützung im Alltag vorgesehen ist.
Die steigende Nachfrage nach Unterstützung im Alltag unterstreicht die wachsende Bedeutung von Nachbarschaftshilfe. Wie die Zeit unter Berufung auf das Statistische Landesamt und den Hessischen Pflegebericht 2023 berichtet, erhielten Ende 2023 423.400 Menschen in Hessen Leistungen der Pflegeversicherung, davon 366.000 in häuslicher Pflege. Prognosen des IWAK-Instituts der Goethe-Universität gehen von einem weiteren Anstieg der Pflegebedürftigen bis 2030 um 11,7 Prozent aus. Diese Entwicklung, so die Zeit weiter, übersteigt die Kapazitäten der stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen.
Die Vernetzung der lokalen Initiativen ist ein wichtiger Schritt zur Stärkung der Nachbarschaftshilfe. Wie die Zeit berichtet, wurde der Landesverband Nachbarschaftshilfen Hessen e.V. gegründet, hervorgegangen aus dem Forschungsprojekt "NAH sein - Nachbarschaftshilfe im Alltag und im Haushalt Älterer". Dieses Projekt, an dem sechs hessische Vereine teilnahmen, untersuchte die Herausforderungen und Best-Practice-Beispiele der Nachbarschaftshilfe. Ein zentrales Problem, so Christa Larsen vom IWAK in der Zeit, ist der Generationenwechsel in den Vereinen. Viele Gründer aus den 1990er Jahren scheiden aus, während es an Nachwuchs mangelt.
Die Bedeutung der Nachbarschaftshilfe wird auch von offizieller Seite betont. Hessens Sozialministerin Diana Stolz (CDU) sieht in den Vereinen laut Zeit einen "unverzichtbaren Beitrag zum möglichst langen Verbleib Älterer in ihrer eigenen Häuslichkeit". Auch die Geschäftsführerin des Paritätischen Hessen, Yasmin Alinaghi, betont in der Zeit die zunehmende Bedeutung der Nachbarschaftshilfe zur Entlastung des professionellen Pflegesystems. Gleichzeitig warnt sie vor einer Überforderung der Ehrenamtlichen und betont, dass diese nicht die Aufgaben von professionellen Pflegekräften übernehmen sollten.
Neben der Unterstützung im Alltag spielt auch die finanzielle Seite eine Rolle. Wie Pflege-Dschungel berichtet, können Leistungen der Nachbarschaftshilfe über den Entlastungsbetrag abgerechnet werden, wenn die Helfer als Anbieter nach der Pflegeunterstützungsverordnung anerkannt sind. Auch die Techniker Krankenkasse informiert auf ihrer Webseite über die Möglichkeit der Kostenübernahme durch die Pflegeversicherung, sofern die Nachbarschaftshelfer die jeweiligen Voraussetzungen des Bundeslandes erfüllen. Pflege-Dschungel bietet zudem ein Abrechnungsformular für die Nachbarschaftshilfe in Hessen zum Download an.
Die Nachbarschaftshilfe in Hessen steht vor der Herausforderung, den steigenden Bedarf an Unterstützung zu decken und gleichzeitig die Ehrenamtlichen zu fördern und zu entlasten. Die Vernetzung der lokalen Initiativen und die Unterstützung durch den Landesverband sind wichtige Schritte, um die Nachbarschaftshilfe zukunftsfähig zu gestalten.
Verwendete Quellen: