Die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien sind ein langwieriger und komplexer Prozess. Begonnen im Jahr 2007, wurden die Gespräche 2013 nach 15 Runden aufgrund unterschiedlicher Ziele abgebrochen, wie die Europäische Parlamentarische Forschungsstelle (EPRS) berichtet.1 Erst 2021 einigten sich die EU und Indien auf die Wiederaufnahme der Verhandlungen mit dem Ziel, ein "ausgewogenes, ehrgeiziges, umfassendes und für beide Seiten vorteilhaftes" Abkommen zu schließen.1,2 Parallel dazu wurden Verhandlungen über ein Investitionsschutzabkommen und ein Abkommen über geografische Angaben gestartet.2
Die EU ist Indiens drittgrößter Handelspartner und machte 2021 10,8% des gesamten indischen Handels aus.2 Indien hingegen ist der zehntgrößte Handelspartner der EU und repräsentiert 2,1% des gesamten EU-Handels mit Waren.2 Obwohl das Handelsvolumen beachtlich ist, liegt es deutlich unter dem der EU mit China oder Brasilien.2 Rund 6000 europäische Unternehmen sind in Indien tätig und bieten direkt 1,7 Millionen und indirekt 5 Millionen Arbeitsplätze.2
Wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, verkündete EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei ihrem Besuch in Indien im Februar 2025 das Ziel, bis Ende des Jahres ein Freihandelsabkommen abzuschließen.3 Sie betonte die Bedeutung einer Partnerschaft zwischen der "größten Demokratie der Welt" und der "führenden Stimme des Globalen Südens" in einer sich wandelnden Weltordnung.3
Die Verhandlungen gestalten sich jedoch schwierig. Indien sträubt sich beispielsweise gegen europäische Umweltstandards und zögert, alle Wirtschaftsbereiche, insbesondere die Landwirtschaft, für den Weltmarkt zu öffnen.3 Auch indische Zölle auf europäische Autos sind ein Streitpunkt.3 Die Europäische Freihandelsassoziation (EFTA) hat bereits ein Handels- und Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit Indien unterzeichnet, das am 10. März 2024 in Kraft trat.4,5 Dieses Abkommen könnte als Vorbild für das EU-Indien Abkommen dienen, deckt aber andere Bereiche ab, wie beispielsweise Bestimmungen zur Handelserleichterung und zum Investitionsschutz.4
Das Europäische Parlament hat in einer Resolution vom 5. Juli 2022 die Verhandlungsführer aufgefordert, ein umfassendes und für beide Seiten vorteilhaftes Freihandelsabkommen zu erreichen, das nachhaltiges Wachstum fördert und Ungleichheiten sowie den digitalen und grünen Wandel berücksichtigt.1
Quellen:
1. https://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/BRIE/2024/757588/EPRS_BRI(2024)757588_EN.pdf
2. https://policy.trade.ec.europa.eu/eu-trade-relationships-country-and-region/countries-and-regions/india_et
3. https://www.sueddeutsche.de/politik/eu-indien-von-der-leyen-freihandelsabkommen-li.3210660
4. https://www.efta.int/free-trade/free-trade-agreements/india
5. https://www.efta.int/Free-Trade/news/EFTA-and-India-sign-Trade-and-Economic-Partnership-Agreement-540631